Einführung in die Naturphilosophie 1. Teil

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Einführung in eine

P h i l o s o p h i e  d e r  N a t u r

L e i t u n g :  D r.  W e r n h e r  P.  S a c h o n

 

 

 

„Nichts ist groß als das Natürliche!“
(Goethe)

 

 

Der Begriff ‚Natur‘ steht im Zentrum der Naturtherapie. Er basiert auf einer philosophischen Idee und prägt auch heute noch unsere Sichtweisen und unser Erleben der Wirklichkeit in einem Ausmaß , das uns kaum bewusst ist. Die Idee ‚Natur‘ bestimmt nicht nur maßgeblich unseren Umgang mit dem nichtmenschlichen Leben, sondern auch unser Menschenbild und als ein Wertbegriff auch unsere Ethik. Auch im gesellschaftspolitischen Raum ist sie gerade heute von erheblicher Wirkmacht.

 

Die Entwicklung dieser Idee ist der Spiegel einer zweieinhalbtausendjährigen europäischen Geistesgeschichte. Von der Vier-Elemente-Lehre der vorsokratischen ‚Naturphilosophen‘, als der Mensch noch ganz selbstverständlich in die Natur einbezogen war, über die christliche Natur als Schöpfung bis zur modernen Naturwissenschaft, in der die Natur als Untersuchungsgegenstand auf die Objektseite geriet. Das Denken von Natur hat sich ständig verändert und  einen vielschichtigen Leitbegriff hervorgebracht.

 

Heute wird im Zuge eines ausufernden Konstruktivismus der Naturbegriff für obsolet erklärt, weil er in einer postmodernen Kultur, die lediglich die Sprach-Konstrukte des menschlichen Bewusstseins als Wirklichkeit gelten lässt, für uns keine orientierende Wirkung mehr habe. Das hieße, den Gegenpol zur Natur, das technisch Seiende, das Menschengemachte, endgültig zur Alleinherrscherin unseres Lebens zu machen. Aber schon die reale Erfahrung einer schweren Krankheit ruft jedem von uns schmerzlich in Erinnerung, dass wir als irdische Menschen in unserem Leib eben auch Naturwesen sind.

Die aus sich selbst heraus existierende und wirkende Natur ist allein schon deshalb bedeutsam, weil sie uns gegeben ist. Wir finden heute im digitalen Zeitalter jedoch nicht nur Abwertung und Negation der Natur, sondern auf der anderen Seite auch einen inflationären und beliebigen Gebrauch dieses Begriffs – oft im Dienst kommerzieller oder politischer Interessen. Offenbar sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die Idee ‚Natur‘ von ihrem Ursprung, das heisst, von ihrer Erfahrungsgrundlage her erneuert werden muss.

 

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Für die Naturtherapie als einem speziellen Verfahren der Psychotherapie ist es von entscheidender Bedeutung, die Erfahrung ‚Natur‘ nicht nur in ihrer physischen, sondern auch in ihrer geistigen und psychischen Dimension zu studieren und dabei ein therapeutisch zielführendes Natur-Verständnis herauszuarbeiten. Was meinen wir überhaupt, wenn wir von ‚Natur’ reden - von der ‚Natur-draußen‘ und der Natur, die wir selber sind? Was haben sie gemeinsam, was verbindet beide Natur-Erfahrungsbereiche? Welche Bedeutung hat Natur heute für unser Menschenbild - gibt es so etwas wie eine ‚menschliche Natur‘, eine ‚Instinktnatur‘ (C.G.Jung) überhaupt? Und in welchem Verhältnis steht der Erfahrungsbereich Natur bzw. sein Verlust zu unserer Gesundheit und den vielfältigen Problemen und Störungen des Menschseins in unserer Zeit?

In diesem Einführungsseminar erarbeiten wir uns durch Vortrag, Selbsterforschung und Übung die Grundlagen eines den Menschen integrierenden dynamischen Naturverständnisses, das als orientierender Bezugsrahmen für unser therapeutisches Arbeiten dienen kann. Schwerpunkte in diesem Kurs sind die vegetabilen und animalischen Seinsweisen, die sich zwar in der Welt der Pflanzen und Tiere idealtypisch manifestieren, aber auch unser Menschsein umfassen.

Damit sich zur Wiedererlangung eines vollen Menschseins Natur-Modi und Natur-Qualitäten auswirken können in uns, benötigen wir eine spezifische Zugangsweise: Eine befreite Haltung von Empfänglichkeit, Gelassenheit und Akzeptanz. „Selbst Natur zu sein bedeutet, sich an sich selbst etwas gegeben sein zu lassen und als solches anzuerkennen. Eine solche Haltung widerstreitet der Grundhaltung, die wir in unserer technischen Zivilisation gelernt haben und tagtäglich durch unser Verhalten erneuern.“ (G. Böhme)

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Nach der Dekonstruktion des Einheitsbegriffs ‚Gott‘ ist die Idee Natur das einzig verbliebene einigende geistige Band, das das Leben auf der Erde für unser menschliches Bewusstsein heute zusammenhalten kann. Die forcierte Denaturierung des Menschen  führt ja nicht nur zu gesundheitlichen Problemen,  sondern auch zu zunehmender Zersplitterung unseres Lebens in unüberschaubar viele konstruierte Welten, die durch kein natürlich Gegebenes mehr miteinander verbunden sind.

 

Materialisten, Empiriker und Konstruktivisten, die nur das Verbale gelten lassen wollen, tun sich schwer, einen Erfahrungszugang zur Natur als einem Gegebenen zu finden. Die Fähigkeit, sich selbst empfänglich und hingebend von ihr ergreifen zu lassen, ist jedoch die Grundvoraussetzung dafür. Sie ist auch Voraussetzung dafür, dass ein liebendes Verhältnis zur Natur entstehen kann, ganz gleich, ob es ihr Wirken draußen, in der nichtmenschlichen Welt ist oder in uns selbst.

 

Die Trennung von Natur und Geist war ein Kardinalfehler des aufgeklärten Denkens. Nur einem Menschen, der sich auch anrühren lassen kann von dem Wirken eines allumfassenden schöpferischen Geistes der Natur, dem kann sie auch leuchten und kann zum Abglanz eines Größeren und Umfassenderen werden. Solche Einheitserfahrungen sollten wir nicht als Naturmystik abtun, sie besitzen vielmehr ein enormes heilsamen Potenzial für die gespaltenen Seelenlandschaften der Menschen unserer Zeit. Das ‚natura sanat‘ ist eben nicht bloß Konstruktion, sondern auch Erfahrung und es umfasst nicht nur unsere Körper, sondern auch Geist und Seele des Menschen.   

 

Kursansatz

Die Naturtherapie ist in ihrem grundlegenden Bezugsrahmen philosophisch ausgerichtet. Weder die Psychologie noch die Naturwissenschaften können uns eine übergeordnete anthropologische und ethische Orientierung für das therapeutische und das pädagogische Handeln zur Verfügung stellen. Dies ist seit jeher die originäre Aufgabe der Philosophie. Deshalb ist es für uns unabdingbar, unsere Arbeit auch philosophisch zu fundieren, wenn wir nicht einer gesellschaftlichen Gemengelage oder einer bloß subjektiven Gesinnungsethik anheim fallen wollen. Ohne einen klaren normativen anthropologischen und ethischen Bezugsrahmen leben und arbeiten wir vielleicht wissenschaftlich, aber orientierungslos.

 

Den Menschen als eine freie, mit unantastbarem Eigenwert ausgestatteten Person zu sehen (und nicht als Objekt) gehört zum anthropologischen Kernbestand unseres humanistisch und existentiell ausgerichteten Therapieansatzes. Er ist also nicht neutral, beinhaltet nicht bloß die Anwendung ‚wissenschaftlicher’ Methoden, sondern ist immer auch emanzipatorisch - ausgestattet mit einem originären Interesse an der Entfaltung des Menschen als Person, seiner Fähigkeit zu Freiheit und eigenständigem Denken und Handeln. Schon deshalb ist es für uns von zentraler Bedeutung, sich auch philosophisch zu bilden. Die Philosophie hat sich schon immer mit der Frage auseinandergesetzt, wie menschliches Leid entsteht und wie wir es lindern können.

 

Wir beschäftigen uns in diesem philosophischen Einführungskurs nicht mit der Philosophie als akademische Wissenschaft, vielmehr setzen wir vor allem in unserer eigenen Erfahrungswelt an. Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit verschiedenen philosophischen Ansätzen dient uns vor allem dazu, bisher unbekannte oder ungewohnte Perspektiven einzunehmen und uns auf die sich dabei öffnenden neuen Erfahrungsräume einzulassen. Es geht in diesem Kurs also nicht um abstraktes naturphilosophisches Wissen, das kann nachgelesen werden. Da auch eine Einsicht noch nicht automatisch zu einer Veränderung führt, muss ein kontinuierliches Üben neu gewonnener Zugangsweisen, das heisst: Haltungen und Sichtweisen hinzutreten. Nur so kann die Philosophie auch Teil unserer therapeutischen Praxis werden, möglicherweise auch zu einer persönlichen Lebenspraxis, zu einer Art und Weise zu leben - zu einem Weg.

 

Dieser Kurs ist Teil der naturtherapeutischen Ausbildung. Er ist jedoch grundsätzlich auch offen für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein spezielles philosophisches Wissen ist nicht erforderlich. Ein geringes ‚Zielpaket’ und viel Offenheit sind erwünscht, vor allem die Bereitschaft zum Selbststudium.

 

Termin (2022):

Fr, 25.03. 9.30h – So, 27.03., 13.00h

 

 

Teilnahmegebühr: 360.- €

Anmeldung (mit Anmeldeformular): Exist – Schule für Naturtherapie, Postf. 1620, D-86819 Bad Wörishofen 

Ort: Dorfgemeinschaftshaus, Kirchstr. 14, D-87782 Unteregg

Übernachtung und Verpflegung: Der Teilnahmebestätigung sind Informationen zur Verpflegung und ein Unterkunftsverzeichnis beigefügt. Für die Buchung sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zuständig.

Leitung: Dr. Wernher P. Sachon / Anschrift: Psychotherapeutische Privatpraxis, Südweg 2a, D-86825 Bad Wörishofen, Tel 08247 – 32978, eMail: info@sachon-psychotherapie.de

 

 

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