Philosophische Praxis

Philosophie ist die Heimat der Psychotherapie

 

Der  in der Schule gelehrte existenzielle Therapieansatz zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass er nicht nur in seiner Anthropologie (der Mensch als Person) und Ethik (Wie soll ich leben?) sondern auch in seiner Methodik maßgeblich in der Philosophie wurzelt, etwa im dialogischen Prinzip, in der Dialektik, Phänomenologie und Hermeneutik. Alle unsere Kurse stehen nicht nur in einem sozialen und biologischen, sondern vor allem auch in einem philosophischen Bezugsrahmen.

 

Die philosophischen Grundlagen der Psychotherapie werden heute, unter der Vorherrschaft des medizinisch-naturwissenschaftlichen Denkens, jedoch weitgehend negiert. So entstanden eine Vielzahl von therapeutischen Verfahren, deren Grundannahmen voraus-gesetzt werden, ohne sie je theoretisch zu erschließen.

 

Dabei lässt sich die Geburtsstunde der Psychotherapie ziemlich genau angeben: Es war der griechische Philosoph S o k r a t e s, der vor zweieinhalbtausend Jahren dieses Projekt startete- das Projekt der freiwilligen, bewussten und systematischen Veränderung des Menschen durch therapeutische Beziehungsgestaltung und Dialog.

Schon der Name ‚Psychotherapie’ weist auf ihre philosophische Herkunft hin: psyche (gr.) ist kein medizinischer, auch kein naturwissenschaftlicher, sondern ein philosophischer Begriff und die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Erfahrungsbereich, den wir ‚psychisch’ (seelisch) nennen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte abendländischen Philosophierens.

Die Heimat der Psychotherapie, ihr eigentliches Zuhause, ist die Philosophie, vor allem in ihrer lebenspraktischen Ausrichtung. Die sokratischen Dialoge waren kein medizinisches Verfahren, sie waren keine erzieherische Maßnahme und keine Religionsausübung. In ihrer dialektischen Gesprächs- und Beziehungskunst waren sie vielmehr darauf angelegt, im Menschen eine Art von ‚unbewusstem Wissen’ zutage zu fördern, über das nach Auffassung des Sokrates jedes Individuum natürlicherweise verfügt. Dieses ans Licht bringen zu helfen nennt er ‚Hebammenkunst’ (maieutike techne) und legte damit den Grundstein für alle modernen entwicklungsorientierten und dialogischen Therapieansätze.

 

In der Psychotherapie stellen sich häufig ethische Fragen. So fragen wir nach unseren Orientierungsmaßstäben, etwa wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Diese Frage ist ihrem Wesen nach philosophischer Natur und lässt sich nicht wissenschaftlich - weder biologisch noch psychologisch - klären. Gerade heute, wo das Deutungsprivileg der großen Religionen für Fragen der Ethik, der Werte, des Sinns und der ‚letzten Dinge’ mehr oder weniger zusammengebrochen ist, ist der philosophische Hintergrund des Therapierens wieder höchst bedeutsam geworden. Die anthropologische Frage (Wer bin ich?) und die ethische Frage (‚Wie soll ich leben?’) sind personaler Natur und lassen sich nur im dialogischen Austausch zwischen Personen beantworten.

 

Kurs ‚Philosophische Praxis’ als Philosophicum für TherapeutInnen

 

Dieser fortlaufende Kurs ist ein Bildungs-Angebot für Menschen, die ihr Leben philosophisch fundieren und bereichern wollen - bewegt von einem Forschungsdrang und Selbstgestaltungswillen, wie er in der zweieinhalbtausendjährigen Kultur philosophischer Praxen und Übungen seinen Niederschlag gefunden hat. Zugleich ist dieser Kurs ein Philosophicum für Therapeuten, die neben  der Klärung philosophischer Grundbegriffe lernen können, wie philosophische Ansätze und Sichtweisen ihre praktische therapeutische Arbeit bereichern können.