Ausbildung: Naturtherapeut/in

Therapeut/in für existenzialpsychologische Naturtherapie

„…und es geht mir insofern um die Natur,
als sie den Menschen zur Entfaltung bringt
und ihn spiegelt.“ (H.D.Thoreau, 1856)

 

Die Bezeichnung Naturtherapeut/in (Exist) - Therapeut/in für existenzialpsychologisch fundierte Naturtherapie  steht für eine berufliche Zusatzqualifikation im psychosozialen Bereich, die an der Schule für Naturtherapie erworben werden kann. Die spezielle Befähigung der bei uns ausgebildeten NaturtherapeutInnen besteht darin, den Raum Natur als Erlebensfeld in die Therapie zu integrieren und hilfreich werden zu lassen für Ziele der Entwicklung und des Wachstums der Person, ihrer psychosomatischen Gesundheit und
Genesung.

 

Das In-der-Natursein ist dann therapeutisch, wenn es eingebunden ist in den Kontext einer therapeutischen Beziehung. Die Haltung, die wir in der Natur einnehmen – wir nennen sie im Gegensatz zum alltäglichen Funktionsmodus einen ‚ontologischen Modus’ (gr. ontos, Existenz) - ist auf die Natur hin ausgerichtet und auf das, was sie in uns auslöst. Die Natur ist nicht Kulisse für andere Ziele und Aktivitäten, vielmehr kann sie gerade dadurch ihre heilsamen Wirkungen entfalten, dass wir in unmittelbarer Resonanz mit ihr sind.

 

Ein solches In-der-Natursein entspricht einem grundlegenden Bedürfnis unserer Zeit, in der die Entfremdung der Menschen vom natürlichen Kern des Lebensprozesses, der wir ja selber sind, rapide voranschreitet und zu einer tiefen Verunsicherung in seinem Daseinsgefühl geführt hat. Die Denaturierung manifestiert sich vor allem im Verlust unseres Selbst-Naturseins als Leib und damit auch unserer Empfindungs- und Spürfähigkeit und unserer Fähigkeit zu Resonanz und empfundener Teilhabe (Empathie). Der Verlust des Kontaktes zur ‚Schicht des Lebens’ in uns und ‚draußen’ ist immer auch verbunden mit einer Beeinträchtigung unseres Instinktlebens und der natürlichen Fähigkeit unseres Organismus zur Selbstregulation und Selbstheilung. Ein denaturierter Mensch wird zu einem ‚Nur-Ich’ und kann sich nicht mehr in seiner menschlichen Ganzheit auswirken. Der damit einhergehende Daseinsverlust bildet den Nährboden für zahlreiche psychische und psychosomatische Störungen, etwa den chronischen Erschöpfungszuständen, aber auch für Beziehungsstörungen verschiedenster Art.

 

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Die Schule für Naturtherapie bietet auf der Basis langjähriger Erfahrung eine psychologisch fundierte berufsbegleitende Ausbildung für Männer und Frauen aus den verschiedensten Berufen an, die die berufliche Zusatzqualifikation ‚Naturtherapeut/in (Exist)’erwerben möchten. Naturtherapeutische Arbeitsweisen sind gekennzeichnet durch Besonderheiten hinsichtlich des Settings, therapeutischer Wirkmechanismen, Methoden und Instrumente. Dies setzt ganz spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten voraus, die in dieser Ausbildung erworben werden können.

(Hinweis: Wer die Naturtherapie heilkundlich einsetzen will benötigt dazu eine Approbation oder Erlaubniserteilung nach §1 des Heilpraktikergesetzes)

 

Die an unserer Schule gelehrte Naturtherapie ist humanistisch-existenziell ausgerichtet, ist personale Therapie und als solche entwicklungs-und beziehungsorientiert. Den Prozess der therapeutischen Veränderung  und Heilung konzipieren wir nicht als Trainings- oder Behandlungsprozess, sondern als Entwicklungsprozess.

 

Unser grundlegender philosophisch-anthropologischer Bezugsrahmen ist der Mensch als Person - das ist der Mensch in seiner Freiheit, eine eigene Antwort auf die Situationen seines Lebens zu geben, der Mensch in seinem unantastbaren humanen Kern als Quellgrund seiner Menschenwürde. Von daher erschließt sich uns die zentrale Bedeutung der personalen Begegnung innerhalb einer dialogischen therapeutischen Beziehung.

Der Mensch als Naturwesen und der Mensch als freie, gestaltungskräftige Person – diese beiden Pole des Menschseins gilt es zu integrieren. Denn das Natursein als das Gegebene, aus sich selbst heraus Wirkende, versteht sich heute nicht mehr von selbst. Vielmehr bedarf es heute eines freien, personalen Aktes, sich an der Natur zu orientieren, sich ihr anzuvertrauen.

 

Die Naturtherapie ist ein spezielles Therapieverfahren (vergleichbar etwa mit der Kunst-, Maltherapie u.ä.)
Ihre E i n s a t z-  u n d  A n w e n d u n g s b e r e i c h e  sind vor allem:

1. Selbststudium und Selbstgestaltung  im Sinne von personalem Wachstum, Selbstkongruenz, Selbsterweiterung und Potenzialentfaltung. Dazu gehören auch die Suche nach Sinn und einer Vision des eigenen Lebens.

2. Verwurzelung im Dasein (Leibsein), Schulung der Erlebensfähigkeit (Unmittelbarkeit, Empfindungs- und Spürfähigkeit), der Achtsamkeit, des sinnenhaften Gewahrseins (sensory awareness) und der Präsenz. Ziel ist die Erdung der gesamten Person.


3. Förderung von Entwicklungsprozessen, die Bewältigung von Entwicklungskrisen, von Wandlungs- und Übergangsprozessen des Selbst bei phasenspezifischen und schicksalhaften Lebensübergängen.

4. Förderung von psychosomatischer Gesundheit, Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und Heilung im präventiven und rehabilitativen Bereich durch Stärkung der Selbstkohärenz und der Fähigkeit zur Selbstregulation. (Als salutogen ausgerichtetes Heilverfahren findet die Naturtherapie begleitend und ergänzend zu den psychotherapeutischen /psychiatrischen Behandlungen auch in ambulanten Praxen, psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken zunehmend Anwendung.)

5. Förderung von Entwicklungsprozessen bei Kindern und Jugendlichen.

 

Das Z e r t i f i k a t  der Schule erteilt die Berechtigung, folgende berufliche Zusatzbezeichnung zu verwenden:

 Naturtherapeut/in (Exist)  -  

 Therapeut/in für existentialpsychologisch fundierte Naturtherapie

 

Das Zertifikat beinhaltet eine Beschreibung der Ausbildungsinhalte und des Ausbildungsumfanges, das Thema des Referats und der Falldokumentation. Es bestätigt die fachliche und persönliche Eignung der Teilnehmer, als Naturtherapeut/in zu arbeiten und die gelehrten Methoden und Instrumente praktisch anzuwenden. (Hinweis: Dieses Zertifikat ersetzt keine öffentlich-rechtliche Legitimation zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie gem. § 1 HPG)

 

 

V o r a u s s e t z u n g   für den Erwerb des Zertifikats ist die Teilnahme an folgenden Kursen (Reihenfolge beliebig):

 

Natur und Therapie I – III (fortlaufender Grundkurs, beinhaltet Fallarbeit und  Supervision)

 

Natur und Ritual I (Riten des Übergangs)

 

Natur und Ritual II (Riten der Heilung)

 

Natur als Übung. Dasein üben im Erlebensfeld Natur.

 

Streifzüge (naturtherapeutische Selbsterfahrungsgruppe)

 

Vision Quest (Übergangsritual)

 

Referat  und eine Falldokumentation im Grundkurs.
 

E m p f o h l e n wird für den Zeitraum der Ausbildung die Teilnahme an regionalen Intervisionsgruppen.

 

 

Beispiel für eine vierjährige Ausbildungsplanung:
 

1. Jahr:  Grundkurs / Streifzüge
2. Jahr:  Grundkurs (Vortrag) /Natur als Übung
3. Jahr:  Grundkurs (Falldokumentation) / Natur und Ritual I
4. Jahr:  Vision Quest / Natur und Ritual II                                                                                                                                             

Voraussetzungen für die Teilnahme an der Ausbildung sind:

  • Eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung möglichst in einem pädagogischen oder therapeutischen Arbeitsfeld. (Ausnahmen sind im Einzelfall möglich)
  • Ein persönliches Vorgespräch mit dem Ausbildungsleiter bzw. LehrerInnen der Schule oder Teilnahme am Einführungskurs.

 

 

Die  Gesamtkosten  der Ausbildung entsprechen der Summe der Teilnahmegebühren für die belegten Kurse (siehe dazu aktuell unter www.schule-fuer-naturtherapie.de). Sie betragen derzeit insgesamt rd. 4.500,-€ Kein Teilnehmer muss sich im Voraus für die gesamte Ausbildung verpflichten, Anmeldungen beziehen sich jeweils nur auf den belegten Kurs.

 

Die  Lehrmethode  in allen Kursen zielt auf das persönliche, am eigenen Erleben orientierte Lernen: Die in Kurzreferaten vorgestellten psychologischen Theorien und Modelle werden in Kleingruppenarbeit in die persönliche Erfahrung gebracht, die naturtherapeutischen Methoden und Instrumente werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst erprobt. Diskussion und dialogisches Gespräch in der Gruppe sind zentraler Bestandteil der Ausbildung.   

 

Die  Gesamtleitung der Ausbildung liegt beim Leiter der Schule, Dr. Wernher P. Sachon, Stellvertr. Christine M. Lallinger. Einzelne Kurse oder Kursteile werden durch ausgebildete LehrerInnen aus dem Kollegium der Schule  geleitet. Die Kurse finden statt auf dem Bildungshof Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus in Oberegg (LKr. Unterallgäu).

 

(Stand: Mai 2016)

 

Inhaber der Schule: Gesellschaft zur Förderung existenzieller und naturnaher Therapieformen UG (haftgbeschr.)
Geschäftsführung: Claudia Sachon