Ausbildung: Naturtherapeut/in

Therapeut/in für existenzial-psychologische Naturtherapie

 

Die Bezeichnung Naturtherapeut/in (Exist) - Therapeut/in für existenzial-psychologische Naturtherapie steht für eine berufliche Zusatzqualifikation im psychosozialen Bereich, die an der Schule für Naturtherapie erworben werden kann. Die spezielle Befähigung der bei uns ausgebildeten Naturtherapeuten besteht darin, den Raum Natur als Erlebens- und Übungsfeld therapeutisch zu nutzen und für Ziele des Wachstums der Person, der Stärkung und Entwicklung ihres Selbst und für ihr psychisches und psychosomatisches Genesen und Heilen hilfreich werden zu lassen.


Das therapeutische In-der-Natursein ist die zentrale Kategorie in der Naturtherapie. Es ist ein In-der-Natur-Sein, das eingebunden ist in den Kontext einer therapeutischen Beziehung und von daher seine Bedeutung erhält. Es heisst immer auch, in der freien Natur zu sein und bedarf als solches nicht nur eines räumlichen ‚Wegseins‘, sondern auch eines Freiseins von den Forderungen der Welt und des eigenen Ichs. Diese Erfahrung, nicht nur draußen, sondern selbst auch ‚im Freien‘ zu sein, macht Menschen erstaunlich veränderungsbereit und beinhaltet ein enormes therapeutisches Potenzial. Dies gilt besonders dann, wenn das freie In-der-Natur-Sein auch ein leibliches ‚Drinsein‘ ist: Nur als Leib können wir von den Qualitäten des Natur-Raumes unmittelbar und spürbar beeindruckt werden und dabei ‚auftanken‘. Diese freie und leibliche Weise des In-der-Natur-Seins ist sinnes-voll, geerdet und sie ermöglicht unmittelbare Teilhabe an Naturqualitäten durch Resonanz. Dabei können reorganisierende, d.h. heilsame und wandelnde Selbstprozesse in Gang kommen.


Ein solche Weise des In-der-Naturseins entspricht einem grundlegenden Bedürfnis vieler Menschen unserer Zeit, in der die Denaturierung, d.h. die Entfremdung vom natürlichen Kern des Lebensprozesses rapide voranschreitet und zu einer tiefen Verunsicherung in unserem Daseinsgefühl geführt hat. Ein solcher Verlust des Kontaktes zum eigenen Lebendigsein, zur ‚Schicht des Lebens‘ (Perls), geht immer einher mit einer Beeinträchtigung unseres Instinktlebens und der natürlichen Fähigkeit unseres Organismus zur Selbstregulation und Selbstheilung. Ein denaturierter Mensch lebt vor allem in der Welt seiner Konstruktionen und Konzepte, er wird dabei zu einem ‚Nur-Ich’ und kann sich nicht mehr als eine Ganzheit auswirken. Die Denaturierung, Technisierung und Virtualisierung unseres Lebens reduziert unser Selbst, schwächt unsere Widerstandsfähigkeit und bildet den Nährboden für zahlreiche psychische und psychosomatische Anfälligkeiten und Störungen, etwa den chronischen Erschöpfungszuständen.


Dabei geht es nicht um ein ‚Zurück zur Natur‘, sondern darum, uns selbst als Naturwesen in unserem Gegebensein wieder in das Ganze unseres Menschseins zu integrieren. Das Selbst-Natursein versteht sich heute ja längst nicht mehr von selbst. Vielmehr bedarf es einer bewusst herbeigeführten Haltung, für die Natur - in der wir sind u n d die wir selber sind - wieder empfänglich zu werden und sich an ihr wieder vertrauensvoll zu orientieren.


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Die Schule für Naturtherapie bietet auf der Basis 25jähriger Erfahrung eine berufsbegleitende, psychologisch fundierte Ausbildung für Männer und Frauen aus den verschiedensten Berufen an, die die berufliche Zusatzqualifikation ‚Naturtherapeut/in (Exist)’ erwerben möchten. Naturtherapeutische Arbeitsweisen sind gekennzeichnet durch Besonderheiten hinsichtlich des Settings, der therapeutischen Wirkmechanismen, Methoden und Instrumente. Dies setzt ganz spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten voraus, die in dieser Ausbildung erworben werden können.


(Hinweis: Wer die Naturtherapie heilkundlich einsetzen will benötigt dazu eine Approbation oder Erlaubniserteilung nach §1 des Heilpraktikergesetzes)

 

Die an unserer Schule gelehrte Naturtherapie ist humanistisch-existenziell ausgerichtet. Naturtherapie ist personale Therapie und als solche entwicklungs- und beziehungsorientiert. Den Prozess der therapeutischen Veränderung und Heilung konzipieren wir nicht als Trainings- oder Behandlungsprozess, sondern als Entwicklungsprozess.


Unser grundlegender philosophisch-anthropologischer Bezugsrahmen (Menschenbild) ist der Mensch als Person - das ist der Mensch in seiner natürlichen Freiheit, auf jede Situation in seinem Leben eine eigene Antwort zu geben. Diese Freiheit zur Verantwortlichkeit ist in existenzieller Sicht der Quellgrund der unantastbaren Menschenwürde, des sakralen Kerns eines jeden Menschen. Von daher erschließt sich uns auch die naturtherapeutische Beziehung als eine personale und dialogische.


Die Naturtherapie ist ein spezielles, entwicklungsorientiertes und salutogen ausgerichtetes Therapieverfahren. Ihre E i n s a t z- u n d A n w e n d u n g s b e r e i c h e sind vor allem:

 

1. Selbststudium und Selbstgestaltung im Sinne von personalem Wachstum, Selbstkongruenz, Selbsterweiterung und
Potenzialentfaltung. Dazu gehören auch die Suche nach Bedeutung und Sinn.
2. Verwurzelung im Dasein (Leibsein), die Belebung und Erdung der gesamten Person. Schulung der Erlebensfähigkeit (Unmittelbarkeit, Empfindungsfähigkeit), der Achtsamkeit, des sinnenhaften Gewahrseins (sensory awareness) und der Präsenz.
3. Entwicklungsprozesse des Selbst: Bewältigung von Entwicklungskrisen, von Wandlungs- und Übergangsprozessen
bei Erwachsenen, Überwindung von Entwicklungshemmungen und Nachreifung bei Entwicklungsdefiziten.
Förderung der Selbstentwicklung bei Kindern und Jugendlichen (hier insbes.: Unterstützung beim Erwachsenwerden).
4. Förderung von psychosomatischer Gesundheit iSv Resilienz (Widerstandsfähigkeit) im präventiven und rehabilitativen Bereich, z.B. durch Stärkung von Selbstkohärenz/Kohärenzempfinden (Salutogenese) und Selbstwirksamkeit. Förderung von Heilfaktoren, insbes. Förderung der natürlichen Fähigkeit zur Selbstregulation (Selbstheilung).
(Als salutogen ausgerichtetes Heilverfahren findet die Naturtherapie begleitend und ergänzend zu den psychotherapeutischen /psychiatrischen Behandlungen auch im klinischen Bereich Anwendung.)

 

Das Z e r t i f i k a t der Schule erteilt die Berechtigung, folgende berufliche Zusatzbezeichnung zu verwenden:

Naturtherapeut/in (Exist) -
Therapeut/in für existentialpsychologische Naturtherapie



Das Zertifikat beinhaltet eine Beschreibung der Ausbildungsinhalte und des Ausbildungsumfanges. Es bestätigt die fachliche und persönliche Eignung der Teilnehmer, als Naturtherapeut/in zu arbeiten und die gelehrten Methoden und Instrumente praktisch anzuwenden. (Hinweis: Dieses Zertifikat ersetzt keine öffentlich-rechtliche Legitimation zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie gem. § 1 HPG)

 

Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats:


ist die Teilnahme an folgenden Kursen (Reihenfolge der Kurse und Dauer der Ausbildung kann von den Ausbildungsteilnehmer/innen selbst bestimmt werden; siehe dazu die aktuelle Terminübersicht):

 

Natur und Therapie I – IV , fortlaufender Grundkurs:
-Natur u Therapie I: (Selbstpsychologie / Die therapeutische Arbeit mit Selbstprozessen, insbes: Der naturtherapeutische Kreis des Selbst)
-Natur und Therapie II (Charakter- und Persönlichkeitspsychologie; Stile und Interventionen in der Arbeit mit charakteristischen Mustern d Persönlichkeit / Das freie In-der-Natur-Sein; Spielraum Natur)
-Natur u Therapie III (Archetypische Psychologie; therap. Symbolarbeit / Natursymbole; Mein persönlicher Schild)
-Natur u Therapie IV (Natur und Gesundheit; Salutogenese und Resilienz / Natur als Übung: Praktische Übungsformen des Leibes, der Erdung, der Achtsamkeit und Präsenz)

 

-Natur und Ritual:
-Kurs 1: Riten des Übergangs
-Kurs 2: Riten der Heilung

 

Im Freien. Naturtherapeutische Streifzüge durch äußere und innere Landschaften (Selbsterfahrung und praktisches therapeutisches Üben)

 

Vision Quest – Das einsame Fasten in den Bergen (Übergangsritual/Selbsterfahrung).

 

Referat und eine Falldokumentation im Grundkurs.


E m p f o h l e n werden für den Zeitraum der Ausbildung begleitende und supervidierende Einzelsitzungen (unmittelbar vor und nach dem Grundkurs).


Voraussetzungen für die Teilnahme an der Ausbildung sind:

- Eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung möglichst in einem pädagogischen
oder therapeutischen Arbeitsfeld. (Ausnahmen sind im Einzelfall möglich)
- Ein persönliches Vorgespräch mit dem Ausbildungsleiter bzw. LehrerInnen der Schule oder Teilnahme an einem
Einführungskurs.

 

Die Gesamtkosten der Ausbildung entsprechen der Summe der Teilnahmegebühren für die belegten Kurse (siehe
dazu aktuell unter www.schule-fuer-naturtherapie.de). Kein Teilnehmer muss sich im Voraus für die gesamte
Ausbildung verpflichten, Anmeldungen beziehen sich nimmer ur auf den jeweils belegten Kurs.


Die Lehrmethode in allen Kursen zielt auf das persönliche, am eigenen Erleben orientierte Lernen: Die in Kurzreferaten vorgestellten psychologischen Theorien und Modelle werden in Kleingruppenarbeit in die persönliche Erfahrung gebracht, die naturtherapeutischen Methoden und Instrumente werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst erprobt. Diskussion und dialogisches Gespräch in der Gruppe sind zentraler Bestandteil der Ausbildung.


Die Gesamtleitung der Ausbildung liegt bei Dr. Wernher P. Sachon und Christine M. Lallinger. Einzelne Kurse oder Kursteile werden durch ausgebildete LehrerInnen der Schule geleitet. Die Ausbildungskurse finden idR statt auf dem Bildungshof Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus in Oberegg (LKr. Unterallgäu).


(Stand: Januar 2019)