Natur und Therapie II (2)

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Ausbildung psychologische Naturtherapie

 

G r u n d k u r s  2 0 1 9 :

Natur und Therapie II

Das erlebensorientierte therapeutische Arbeiten

in und mit der Natur

 

 

Der Erlebensraum ‚Natur’ hat sich seit jeher als besonders geeignet für therapeutische Zwecke erwiesen. Für den überzivilisierten Menschen unserer Zeit ist er geradezu prädestiniert, Erfahrungen zu ermöglichen, die seiner Selbst-entfremdung entgegenwirken, ihn wieder rückbinden in der Schicht des Lebens und dabei genesen lassen. Auch die wissenschaftliche Forschung der letzten zwanzig Jahre hat in beeindruckender Weise nachgewiesen, welch positive Wirkung das In-der-Natursein gerade für den modernen Menschen hat, nicht nur im Hinblick auf seine physische, sondern vor allem auch im Hinblick auf seine psychische und geistige Gesundheit.

 

Deshalb verspüren viele Frauen und Männer aus den verschiedenstentherapeutischen und pädagogischen Tätigkeitsfeldern das Bedürfnis, das Erlebensfeld Natur in ihre Arbeit zu integrieren und für Ziele der persönlichen Entwicklung und Gesundheit einzusetzen. An sie richtet sich dieses Kursangebot.

 

Naturtherapie

Das „Erlebensorientierte therapeutische Arbeiten in und mit der Natur (Naturtherapie)“ © ist eine spezielle, psychologisch fundierte Therapieform, in der der Erfahrungsraum Natur für therapeutische Zwecke eingesetzt wird. Die Naturtherapie wird seit jetzt 25 Jahren in der hier gelehrten Form praktiziert. Sie zielt sowohl auf die Förderung der Entwicklung des Selbst in allen Lebensphasen, auf inneres Wachsen und Reifen wie auch auf Prävention, Genesung und die Stärkung der menschlichen Fähigkeit zur Selbstheilung. Als eine salutogene Therapieform findet sie Anwendung im Gesundheitsbereich und auch in klinischen Settings.

 

Entscheidend für den naturtherapeutischen Ansatz ist die Herstellung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung im Sinne einer entwicklungsfördernden ‚einbindenden Kultur’ (Kegan). ‚Therapie’ im hier verwendeten Sinne meint in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen therapeia ein 'Begleiten', d.h. eine personale und dialogische Beziehung zu einem anderen Menschen, die einen wirksamen Rahmen zur Verfügung stellt für Entwicklungs- und Übergangsprozesse, für Prozesse der Erkenntnis, Erweiterung und der Stärkung des Selbst.

 

Die (Er)Lebensorientierung und das Selbst-Natursein

Die zunehmende Funktionalisierung und ‚Verobjektung’ des Menschen in unserer Zeit hat ihn von seiner eigenen (Er)Lebensgrundlage in einem bisher noch nicht gekannten Ausmaß entfremdet. Im Mittelpunkt der Naturtherapie steht deshalb der Mensch als Subjekt seines Lebens, d.h. nicht nur als ein faktisch lebendes, sondern als ein erlebendes Selbst. 

 

Deshalb geht es oft darum, überhaupt erst einmal die Erlebensfähigkeit wieder herzustellen. Das Leibsein und die Fähigkeit zur Unmittelbarkeit sind dabei von herausragender Bedeutung. Nur im unmittelbaren und leiblichen Erleben können wir die Welt nicht nur kognitiv erfassen, sondern auch spüren, können wir die Erfahrung machen, am Lebensprozess teilzuhaben, insbesondere am Lebensprozess, der wir selber sind. Dazu benötigen wir eine Haltung von Empfänglichkeit, Offenheit und Durchlässigkeit. Sie verlangt von uns einen gewissen Mut, nämlich den Mut, sich auch für das eigene Lebendigsein zu öffnen, es erst einmal so zu nehmen, wie es im unmittelbaren Erleben auf uns zukommt. Das unmittelbare empfundene Selbst, das im Leib wurzelt, ist unser Boden, in dem unser Dasein gründet und in dem wir uns auch als Naturwesen erfahren können.

 

Im therapeutischen In-und-mit-der-Natur-Sein können Menschen ihr Dasein wiedergewinnen und dabei genesen. In der Offenheit gegenüber all dem  Lebendigen der Natur kann die gewohnte Selbstentfremdung durch   ständiges Nach-denken und Vor-stellen in den Hintergrund treten: Wenn uns in der Natur-draußen das Lebendigewieder ansprechen und berühren darf, dann öffnet sich auch die nach innen verkapselte Seele, denn in der Berührung mit der Natur berühren wir auch uns selbst von innen her., kommen uns selbst wieder nahe. Das kann einen tiefen Prozess der Öffnung für das Leben einleiten, insbesondere auch für das Leben, das wir selber sind. Selbstempathie und Selbstakzeptanz sind  grundlegende Voraussetzungen für  Heilung und Seelenfrieden..

 

Im therapeutischen In-der-Natursein kommen Menschen auch wieder in Kontakt mit ihrer eigenen  Instinktnatur, mit primitiven (lat. primitivus, der erste seiner Art) und animalischen Impulsen (lat. anima, Seele). Eine solche Wiedergewinnung des  S e l b s t – N a t u r s e i ns ist für den denaturierten Menschen unserer Zeit eine Grundbedingung zur Wiedererlangung seines vollen Menschseins. Denn Mensch sind wir immer nur als Ganzes, d.h. nicht nur in dem, was uns von der Natur unterscheidet, sondern auch in dem, wo wir selber Natur sind. Wir dürfen heute unser Menschsein und Natursein nicht mehr getrennt voneinander oder gar als Gegensatz denken. Ein denaturiertes Leben ist immer auch ein dehumanisiertes Leben, denn es schneidet uns von dem Wurzelgrund unseres Menschseins ab.

 

Das ist ein bedeutsamer Faktor auch für unsere seelische Gesundheit, vor allem im Hinblick auf die Überwindung von Fragmentierung, Entfremdung, Bodenlosigkeit, und Narzissmus. Das Selbst-Natursein des Menschen manifestiert sich in einer weltoffenen, selbstbewussten, starken und instinktsicheren Leiblichkeit, in der Fähigkeit zu Empathie und Bindung  und insbesondere auch in der organismischen Fähigkeit zu Selbstregulation und Selbstheilung.

 

„Wann immer wir mit der Natur in Berührung kommen werden wir sauber. (...) Menschen, die durch zuviel  Zivilisation schmutzig geworden sind, machen einen Waldspaziergang oder baden im Meer. Sie mögen das auf diese oder jene Weise rationalisieren, aber faktisch werfen sie die Fesseln ab und gestatten der Natur, sie zu berühren. Das kann innerlich oder äußerlich geschehen ... das ist dasselbe, die Dinge kommen wieder in Ordnung.“ (C.G. Jung)

 

Der Therapieansatz

Die Naturtherapie, wie sie an unserer Schule gelehrt wird, ist eine spezielle, naturbasierte Therapieform, die im Feld der humanistisch-existenziellen Psychotherapie angesiedelt ist. Als solche ist sie immer p e r s o n a l e  Therapie. Sie ist tiefenpsychologisch insoweit, als sie sich nicht nur mit den Problemen beschäftigt, sondern vor allem mit den Grundhaltungen und den psycho-somatischen Strukturen, die diese immer wieder hervorbringen. Deshalb üben wir in den Grundkursen das therapeutische Arbeiten auf drei unterschiedlichen strukturellen Ebenen: Der Ebene des Selbst (I), der charakteristischen Persönlichkeit mit ihren Mustern (Schemata) (II) und der Archetypen (III).

 

Unser Grundverständnis von Therapie ist b e z i e h u n g s o r i e n t i e r t, das heisst: (Psycho)Therapie ist seinem Wesen nach ein sozialer, ein zwischenmenschlicher Prozess, in dem sich Menschen entwickeln und verändern können. Neue, vom Alltagszustand deutlich unterscheidbare Erfahrungen des Selbst im Erlebens- und Resonanzraum Natur ermöglichen dann eine Veränderung, wenn sie in den Kontext einer entwicklungsfördernden therapeutischen Beziehung eingebunden sind. Die therapeutische Arbeit in der naturtherapeutischen Gruppe oder Einzelbeziehung ist deshalb für uns von entscheidender Bedeutung.

 

Die Lehr- und Lernmethode

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in diesem Kurs durch Vortrag und Diskussion, durch Selbsterfahrung, Übung,

Falldokumentation und supervisorische Bearbeitung von Praxiserfahrungen. Wir arbeiten personzentriert, d.h. die Entwicklung der Person steht auch im Mittelpunkt dieser Fortbildung. Der Beziehungsraum der Gruppe ist unser zentrales Lern- und Übungsfeld. Unsere gemeinsame Arbeit wird unterstützt durch eine Gruppenatmosphäre von Offenheit und Wahrhaftigkeit, durch Freiheit von Beurteilung und durch die persönliche Begegnung.

 

Das Lernen in der unmittelbaren persönlichen Erfahrung hat dabei einen hohen Stellenwert.  Dieses phänomenologische Lernen wird möglich, wenn wir in der Lage sind, unser eigenes Erleben interessiert und möglichst wertungsfrei anzuschauen. Wir können dabei die zentrale therapeutische Fähigkeit entwickeln, in der persönlichen Präsenz stabil zu bleiben, auch wenn wir Ungewohntes oder Problematisches erleben. Dieser Kurs dient deshalb nicht nur der fachlichen Fortbildung, sondern auch der persönlichen Entwicklung der TeilnehmerInnen.

 

Kursziele

Dieser Ausbildungskurs ist berufsbegleitend und soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem selbständigen therapeutischen Arbeiten in und mit dem Erlebensraum Natur befähigen, insbes. zur fachkundigen Anwendung spezieller naturtherapeutischer Instrumente und Methoden.

 

In den vier Kursjahren lernen wir, das Erleben und Verhalten des Menschen auf unterschiedlichen strukturellen Ebenen und durch unterschiedliche psychologische 'Brillen' anzuschauen. Wir erarbeiten uns die dafür notwendigen Basiskonstrukte und theoretischen Grundlagen und eröffnen uns dadurch unterschiedliche Möglichkeiten therapeutischen Handelns.

 

Die thematischen Schwerpunkte der Kurse I - IV

 

Kurs I  ( 2022) Selbstpsychologie

Vom Begriff der Seele zum psychologischen Begriff des Selbst. Grundlagen der Selbstpsychologie, ihre zentralen Theorien und Ansätze. Die Problematik des narzisstischen Selbst. Therapeutische Stile und Interventionen in der Arbeit mit Selbstprozessen, insbes. das empathische Spiegeln.

Naturtherapie: Das Selbst-Natursein des Menschen. Das Selbst im Spiegel der Naturerfahrung. DerjahreszeitlicheKreis desSelbst. Die therapeutische Arbeit mit dem Kreis des Selbst.

 

Kurs II  (2019) Charakter- und Persönlichkeitspsychologie

Grundlagen der Charakter- u Persönlichkeitspsychologie, insbes. die Basisbegriffe: Muster, Charakter, Abwehr. Charaktertypologie und Charakterneurose. Therapeutische Stile und Interventionen in der Arbeit am u mit dem Charakter, insbes. die Arbeit im ‚Hier und Jetzt‘ und das therapeutische ‚Feedback’.

Naturtherapie: Im Freien – das therapeutische In-der-Natur-Sein als Schwellenraum. Das In.-der-Natur-Sein als offener Erfahrungsraum. ‚Weg’ und ‚Platz’ als Foki der Naturerfahrung

 

Kurs III  ( 2020) Archetypische Psychologie

Grundlagen und Basisbegriffe: Archetyp, Symbol, Mythos, Ritual. Schwerpunkte: Mutterarchetyp, Vaterarchetyp, verschiedene Naturarchetypen. Die archetypischen Bewegungen des Spiraltanzes und der Heldenreise. Die Arbeit am persönlichen Mythos. Die therapeutische Symbolarbeit.

Naturtherapie: Archetypische Erfahrungsaspekte im Naturerleben. Die Arbeit mit Natursymbolen und symbolischem Selbsterleben. Die rituelle Therapie der Vier Schilde. Erzähle dich selbst - die therapeutische Bedeutung des Erzählens; das naturtherapeutische ‚Council’.

 

Kurs IV  ( 2021) Natur und Gesundheit

Grundlagen und Basisbegriffe der Salutogenese, insbes.: Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und Kohärenzempfinden (sense of coherence) Das Konzept psychischer Gesundheit bei Heinz Kohut (Selbstpsychologie) und C.G. Jung. 

Naturtherapie: Natur als Übung. Der Übungs-Ansatz von Karlfried Graf Dürckheim (personale Leibtherapie). Übungsformen der Erdung, der Sinne und des Leibseins, der Durchlässigkeit, Achtsamkeit und Unmittelbarkeit. Das ‚Drinsein‘ in der Natur. Praxis eines therapeutisch begleiteten Übungsspaziergangs.

 

Organisatorisches

Ablauf und Struktur des Kurses

‚Natur und Therapie’ ist der Grundkurs unserer Ausbildung. Er ist zahlenmäßig begrenzt, um ein persönliches Arbeiten zu ermöglichen. Er erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Anmeldungen beziehen sich jedoch jeweils nur auf ein Jahr, d.h. jeder Teilnehmer ist nur für ein Jahr gebunden und macht bei einem Ausscheiden für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer Platz. Ein Einstieg ist also jedes Jahr möglich, soweit bisherige Teilnehmer ausscheiden. Nach Ablauf der vier Jahre beginnt das Curriculum von vorne.

 

Teilnahmevoraussetzungen

Eine abgeschlossene Berufsausbildung im pädagogisch-therapeutischen Bereich ist hilfreich, aber keine unabdingbare Voraussetzung. Notwendig ist jedoch die ernsthafte Bereitschaft, sich auf eine intensive Selbsterfahrung einzulassen und an der eigenen Haltung zu arbeiten.

Für die Anmeldung ist eine kurze schriftliche Bewerbung notwendig, in der die derzeitige berufliche Tätigkeit, Lebenssituation und die Motive für die Teilnahme dargelegt sind, ferner die Teilnahme am Einführungskurs oder ein Vorgespräch mit einem Kursleiter.

 

Termine Grundkurs II  (2019):

Mo. 29.04.,14.30h – Fr, 3.05.,13.00h ;   Mo, 22.07., 14.30h – Fr, 26.07.,13.00h und

Mo, 30.09., 14.30h – Fr, 4.10.,13.00h

 

Ort: Die Kurse finden statt im Gruppenraum des Bildungshofs Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus im oberen Mindeltal, Landkreis Unterallgäu. Anschrift: 87782 Oberegg, Obere Hauptstr. 55, Tel. 08269 – 1047

 

Unterkunft, Verpflegung: Unterkunft im Bildungshof Preißinger möglich in einfachen Zwei-, Drei- und Mehrbettzimmern bzw. Zeltplatz mit Verpflegung oder in Einzelzimmern/Ferienwohnungen in der nahen Umgebung. Für die Buchung der Unterkunft auf dem Bildungshof Preißinger sind die TeilnehmerInnen selbst zuständig. (Mail: marlene.preissinger@web.de)

 

Anmeldung (schriftlich, mit dem Anmeldeformular):Schule für Naturtherapie,Postf. 1620, D-86819 Bad Wörishofen

 

Teilnahmegebühr:  940,- €

 

Kursleitung: Dr. Wernher P. Sachon und Christine Lallinger

 

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Anmeldeformular zum Download

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