Philosophische Praxis auf dem Land

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Philosophische Praxis 2018:

Philosophie auf dem Land

L e i t u n g :  D r.  W e r n h e r  P.  S a c h o n

 

 

Dieser fortlaufende Philosophiekurs ist ein Angebot für Menschen, die ihre therapeutische Arbeit und auch ihr eigenes Leben philosophisch bereichern wollen. Die bewegt sind von der philo-sophia, der Liebe zur Weisheit, von einem Forschungsdrang und von einem Selbstgestaltungswillen, wie er in der zweieinhalbtausendjährigen Kultur philosophischer Praxen und Übungen seinen Niederschlag gefunden hat. Unser rote Faden ist die therapeutische Entwicklungslinie der Philosophie, die mit der platonisch-sokratischen Sichtweise begann, wonach das Philosophieren vor allem eines sei: therapeia tês psyches, Pflege der Seele.

 

Passend zu unserem inhaltlichen Schwerpunkt, der Romantik, verlegen wir unseren fortlaufenden Philosophiekurs diesmal aufs Land und damit auch ins Freie. Wir forschen und üben und reden anders miteinander, wenn wir dies in den Wäldern oder beim Gehen über Wiesen und Felder tun.

 


Thematischer Schwerpunkt 2018:

 

Jeder Kurs hat einen thematischen Schwerpunkt und ist eine in sich geschlossene Einheit. Wir beschäftigen uns in dem Kurs 2018 mit einer Vielzahl von aktuellen Fragen, die eng mit der Epoche des deutschen Idealismus und der Romantik im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert verbunden sind. Hier könnten wir heute anknüpfen, anstatt uns ohne historische Basis in der Beliebigkeit postmoderner Konstruktionen zu verlieren.

Ausgehend von der Transzendentalphilosophie von Immanuel K a n t und diese fortführend entwickelte sich die philosophische Richtung des deutschen Idealismus, „eine unbegreiflich dichte Folge genialer Denkleistungen, die durch Kühnheit … und durch mitreißenden Enthusiasmus der denkerischen Phantasie ihresgleichen suchen.“ (Gadamer). Zwei Philosophen ragen hervor, die in gewisser Weise auch zwei Pole des deutschen Idealismus wiederspiegeln: Johann Gottlieb F i c h t e (1762-1814), der das Subjekt in der Gestalt des tätigen Selbstbewusstseins in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellt. Friedrich Wilhelm S c h e l l i n g (1775-1854) brachte dagegen die Natur ins Spiel, indem er auch das Selbstbewusstsein als Teil einer realen Welt sieht, aufgebaut aus den großen Gestaltordnungen der Natur. Mit seiner Naturphilosophie bereitete Schelling der Romantik den denkerischen Boden.

Anknüpfend an Goethe ist auch der große Naturforscher Alexander von H u m b o l d t (1769-1859) mit seinem monumentalen Werk ‚Kosmos‘ zu nennen, in dem er die Welt als ein durch innere Kräfte  bewegtes und belebtes Naturganzes darstellte und den Geist des Idealismus mit den aufstrebenden Naturwissenschaften zu vereinigen suchte. Sein Bruder Wilhelm von H u m b o l d t (1767-1835), Staatsmann u Philosoph, implementierte den Gedanken der Humanität in das idealistische Denken und formulierte ein humanistisches Bildungsideal, das die Bildung des Menschen in ihren Mittelpunkt stellte. Durch die Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte wurde dieses Bildungsideal gründlich entsorgt.

Neben der kulturhistorischen Epoche der Romantik (Gebrüder Schlegel, Novalis, Tieck, Eichendorff, E.T.A.Hoffmann u.a.) beschäftigen wir uns in diesem Kurs mit der Idee des R o m a n t i s c h e n und ihrer Bedeutung für uns heute. Die Romantik ist zwar vergangen, aber das Romantische als eine Geisteshaltung ist geblieben: Seine Vorliebe für das Phantastische, Geheimnisvolle, Kindliche, seine Suche nach Freiheit, Intensität und Leben, auch sein Überschuss an schöner Weltfremdheit. Leicht lässt sich etwa in der 68er-Bewegung auch eine - durchaus problematische - Verlagerung des Romantischen ins Politische erkennen.

Die Frage: Was ist deutsch? beschäftigte schon damals die Philosophie, neben Schiller vor allem Fichte. In seinen berühmten ‚Reden an die deutsche Nation‘ und auch bei den Romantikern können wir interessante Bezüge zur aktuellen Diskussion herstellen. Lange bevor Deutschland ein Nationalstaat wurde, hatte es sich vor allem als eine Kulturnation empfunden.

Die Beschäftigung mit dieser Epoche und ihren zentralen Gedanken führt uns in die Mitte unserer eigenen Kultur und damit auch mitten hinein in die aktuelle Auseinandersetzung darüber, ob es eine solche überhaupt gebe und wenn ja, was sie eigentlich auszeichnet und woran wir heute anknüpfen wollen.

 

 

Kursansatz

 

Immer, ob uns das bewusst ist oder nicht, arbeiten wir in Psychotherapie und Pädagogik in einem übergeordneten anthropologischen und ethischen Bezugsrahmen: Wieso ist diese oder jene Veränderung überhaupt sinnvoll, an welchem Menschenbild orientieren wir uns eigentlich und wie sollen und wollen wir leben in dieser Welt?

 

Das vorherrschende Konzept einer wissenschaftlichen, anthropologisch und ethisch ‚neutralen‘ Therapie oder Erziehung - das heisst ein Konzept ohne ein leitendes Bild vom Menschen und ohne eine ethische Grundlage – ist problematisch. Wir sind Kulturwesen von Anfang an und wenn wir uns nicht bewusst damit auseinandersetzen und entscheiden, dann sind es die gerade dominanten gesellschaftlichen Strömungen und eigenen Konditionierungen, an denen wir unsere Arbeit unbewusst ausrichten.   

 

Weder die Psychologie noch die Naturwissenschaften können uns jedoch einen übergeordneten anthropologischen und ethischen Bezugsrahmen für das therapeutische und das pädagogische Handeln zur Verfügung stellen. Dies ist seit jeher die originäre Aufgabe der Philosophie. Deshalb ist es für uns unabdingbar, unsere Arbeit auch philosophisch zu fundieren, wenn wir nicht einer gesellschaftlichen Gemengelage oder einer subjektiven Gesinnungsethik anheim fallen wollen. Ohne einen klaren normativen anthropologischen und ethischen Bezugsrahmen leben und arbeiten wir vielleicht wissenschaftlich, aber orientierungslos.

 

Den Menschen als eine freie, mit unantastbarem Eigenwert ausgestatteten Person zu sehen (und nicht als Objekt) gehört zum anthropologischen Kernbestand unserer aufgeklärten Kultur. Eine daran ausgerichtete Psychotherapie kann also nicht neutral sein, nicht bloße Anwendung sog. ‚wissenschaftlicher’ Methoden, sondern ist immer auch emanzipatorisch, d.h. mit einem originären Interesse an der Entfaltung des Menschen in diesem Sinn. Eine Psychotherapie, die diesen Bezugsrahmen negiert, macht sich selbst bodenlos und wird leicht zur Beute aller möglichen gesellschaftlichen Moden.

 

Deshalb ist es für die Ausbildung humanistisch orientierter Therapeuten und Therapeutinnen von zentraler Bedeutung, sich philosophisch zu bilden. Dabei können wir entdecken, dass die Philosophie sich schon immer auch mit der Frage beschäftigt hat, wie menschliches Leid entsteht und wie wir es lindern können. Der derzeit wohl bekannteste Psychotherapeut existenzieller Ausrichtung, Irving Yalom (‚Existenzielle Psychotherapie‘), schreibt dazu: „Tatsächlich begreife ich in meiner Arbeit als Therapeut nicht so sehr die großen Psychiater und Psychologen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts … als meine intellektuellen Vorfahren, sondern eher die klassischen griechischen Philosophen“

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Das Philosophieren in unserem Kurs wendet sich vor allem an den (er)lebenden Menschen, an den Menschen in seinen Möglichkeiten und Bedingtheiten (Anthropologie) und die eigenen Antworten, die er in den Situationen und Herausforderungen seines Lebens gibt (Ethik). Wir beschäftigen uns nicht mit der Philosophie als akademische Wissenschaft, als ein universitäres Fachgebiet, vielmehr setzen wir in guter phänomenologischer Tradition vor allem in unserer eigenen Erfahrungswelt an. Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den verschiedenen philosophischen Ansätzen und Epochen dient uns vor allem dazu, bisher unbekannte oder ungewohnte Perspektiven einzunehmen und uns auf die sich dabei öffnenden neuen Erfahrungsräume einzulassen. Es geht in diesem Kurs also nicht um abstraktes philosophisches Wissen, sondern um ein personales, auch für unser eigenes alltägliches Leben hilfreiches Forschen und Erkennen. Da auch eine Einsicht noch nicht automatisch zu einer Veränderung führt, muss ein kontinuierliches Üben neu gewonnener Haltungen und Sichtweisen hinzutreten. Nur so kann die Philosophie auch zu einer persönlichen Lebenspraxis werden, zu einer Art und Weise zu leben - zu einem Weg.

 

Die Instrumente dieses Philosophiekurses sind: Einführende Vorträge, Rezitationen von philosophischen Originaltexten (insbesondere solche, die auch durch ihre poetische Kraft beeindrucken), forschende Übungen und Übungspraxen, das dialogische Gespräch in der Kleingruppe und in der großen Runde. Unser Philosophieren ist eingebunden in die Kursgemeinschaft, denn das Nachdenken, das nur auf sich selbst bezogen ist, dreht sich meist im Kreise und gelangt zu keinen wirklich neuen Erkenntnissen. Wir brauchen als Mensch wohlwollende andere Menschen, um in der Begegnung und im dialogischen Austausch mit ihnen zu sinnvollen Einsichten über uns selbst, unser Leben und unsere Welt zu gelangen.

 

Dieser fortlaufende Kurs ist grundsätzlich offen für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein spezielles philosophisches Wissen ist nicht erforderlich. Ein geringes ‚Zielpaket’ und viel Offenheit sind erwünscht, vor allem die Bereitschaft zum Selbststudium.

 

 

Termin 2018 :

 Do, 21.06.,14.30h – So, 24.06., 13.00h

 

 

 

Teilnahmegebühr: 220.- €

Anmeldung (mit Anmeldeformular): D-86819 Bad Wörishofen, Postf. 1620  


Ort:
Bildungshof Preißinger, Obere Hauptstr. 55, D-87782 Oberegg


Übernachtung und Verpflegung:
Bitte direkt buchen bei marlene.preissinger@web.de, Tel.: 08269-1047. Für die Buchung sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zuständig.


Leitung:
Dr. Wernher P. Sachon / Anschrift: Psychotherapeutische Privatpraxis, Südweg 2a, D-86825 Bad Wörishofen, Tel 08247 – 32978, eMail: info@sachon-psychotherapie.de

 

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Anmeldeformular zum Download

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