Natur und Therapie II (2)

-

Ausbildung psychologische Naturtherapie

 

G r u n d k u r s  2 0 18 :

Natur und Therapie I

Das erlebensorientierte therapeutische Arbeiten

in und mit der Natur

 

 

Der Erlebensraum ‚Natur’ hat sich seit jeher als besonders geeignet für therapeutische Zwecke erwiesen. Für den überzivilisierten Menschen unserer Zeit ist er geradezu prädestiniert, Erfahrungen zu ermöglichen, die seiner Selbst-Entfremdung entgegenwirken und ihn wieder rückbinden in der Schicht des Lebens - dem ersten und sinnstiftenden Grund unseres Daseins. Auch die wissenschaftliche Forschung der letzten zwanzig Jahre hat in beeindruckender Weise nachgewiesen, welch positive Wirkung das In-der-Natursein für den modernen Menschen hat, nicht nur im Hinblick auf seine physische, sondern vor allem auch im Hinblick auf seine psychische und geistige Gesundheit.

 

Deshalb verspüren viele Frauen und Männer aus den verschiedenstentherapeutischen und pädagogischen Tätigkeitsfeldern das Bedürfnis, das Erlebensfeld Natur in ihre Arbeit zu integrieren und für Ziele der persönlichen Entwicklung und der psychosomatischen Gesundheit einzusetzen. An sie richtet sich dieses Kursangebot.

 

Naturtherapie

Das „Erlebensorientierte therapeutische Arbeiten in und mit der Natur (Naturtherapie)“ © ist eine spezielle, psychologisch fundierte Therapieform, in der der Erfahrungsraum Natur für therapeutische Zwecke eingesetzt wird. Die Naturtherapie wird seit über zwanzig Jahren in der hier gelehrten Form praktiziert. Sie zielt sowohl auf die Förderung von Entwicklungs- und Wachstumsprozessen des Selbst in allen Lebensphasen wie auch von Gesundungs- und Heilungsprozessen. Als salutogene Therapieform findet sie auch Anwendung im Gesundheitsbereich und in klinischen Settings.

 

Entscheidend für unseren therapeutischen Ansatz ist die Herstellung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung im Sinne einer entwicklungsfördernden ‚einbindenden Kultur’ (Kegan). ‚Therapie’ im hier verwendeten Sinne meint in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen therapeia ein 'Begleiten', d.h. eine personale und dialogische Beziehung zu einem anderen Menschen, die einen wirksamen Rahmen für Entwicklungs- und Genesungsprozesse zur Verfügung stellt, insbesondere für Prozesse der Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung, der Wandlung und der Stärkung des Selbst im Sinne von Kohärenz (innerer Zusammenhalt) und Resilienz (Widerstandsfähigkeit).

 

Die (Er)Lebensorientierung

Die zunehmende Funktionalisierung und ‚Verobjektung’ des Menschen in unserer Zeit hat ihn von seiner eigenen (Er)Lebensgrundlage, etwa seinem eigenen Leibsein, in einem bisher noch nicht gekannten Ausmaß entfremdet. Im Mittelpunkt der Naturtherapie steht deshalb der Mensch als Subjekt seines Lebens, d.h. als ein erlebendes Selbst. 

 

Bei vielen Menschen geht es erst einmal darum, ihre eigene Erlebensfähigkeit wiederherzustellen. Die  Fähigkeit zur U n m i t t e l b a r k e i t  ist dabei von herausragender Bedeutung. Nur im unmittelbaren, nichtkonzeptionellen Erleben können wir die Erfahrung machen, am Lebensprozess teilzuhaben, insbesondere am Lebensprozess, der wir selber sind. Nur in der Unmittelbarkeit können wir auch ein Gespür dafür bekommen, wie wir selbst vom Leben her eigentlich gemeint sind. Dazu benötigen wir eine Haltung von Offenheit und Durchlässigkeit. Sie verlangt von uns einen gewissen Mut, nämlich den Mut, sich für das eigene Lebendigsein zu öffnen, das Selbstsein erst einmal so zu nehmen, wie es im unmittelbaren Erleben auf uns zukommt. Das unmittelbare Selbsterleben wurzelt immer im Leib. Das ist unser Boden, in dem unser Dasein gründet.

 

Das therapeutische In-der-Natursein unterstützt uns in ganz besonderer Weise, Unmittelbarkeit und Spürfähigkeit und damit  unser Da-sein wiederzugewinnen. In der Offenheit gegenüber all dem lebendige Leben um uns herum kann die gewohnte Selbstentfremdung durch unentwegtes Nach-denken und Vor-stellen in den Hintergrund treten und die ursprüngliche Erfahrung des eigenen Lebendigseins kann sich wieder ereignen. Wenn uns in der Natur-draußen  d a s  L e b e n d i g e  wieder ansprechen und berühren darf, dann öffnet sich auch der meist nach innen zurückgezogene und verkapselte Erlebensraum ‚Seele’. In der Berührung mit der Natur berühren wir auch uns selbst von innen her. Das kann einen tiefen Prozess der Öffnung für das Leben einleiten, die uns eingeborene Liebe zum Lebendigen kann wieder erfahrbar werden, eine Liebe, die in der Lage ist, auch unser alltägliches (Er)Leben grundlegend zu verändern.

 

Im therapeutischen In-der-Natursein kommen Menschen häufig wieder in Kontakt mit ihrer eigenen  Instinktnatur, mit primitiven (lat. primitivus, der erste seiner Art) und animalischen Impulsen (lat. anima, Seele). Eine solche Wiedergewinnung des  S e l b s t – N a t u r s e i ns ist für den denaturierten Menschen unserer Zeit eine Grundbedingung zur Wiedererlangung seines vollen Menschseins. Sie ist ein bedeutsamer Faktor für seine seelische Gesundheit, vor allem im Hinblick auf die Überwindung von Entfremdung, Bodenlosigkeit, Narzissmus und Fragmentierung. Das Selbst-Natursein des Menschen manifestiert sich in einer starken und instinktsicheren Leiblichkeit, in der organismischen Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstheilung und in einer weltoffenen Grundverfassung.

 

Wir dürfen heute unser Menschsein und Natursein nicht mehr getrennt voneinander oder gar als Gegensatz denken. Ein denaturiertes Leben ist immer auch ein dehumanisiertes Leben, denn es schneidet uns von dem Wurzelgrund unseres Menschseins ab, dem natürlichen Lebensprozess, der wir selber sind.

 

„Wann immer wir mit der Natur in Berührung kommen werden wir sauber. (...) Menschen, die durch zuviel Zivilisation schmutzig geworden sind, machen einen Waldspaziergang oder baden im Meer. Sie mögen das auf diese oder jene Weise rationalisieren, aber faktisch werfen sie die Fesseln ab und gestatten der Natur, sie zu berühren. Das kann innerlich oder äußerlich geschehen ... das ist dasselbe, die Dinge kommen wieder in Ordnung.“ (C.G. Jung)

 

Der Therapieansatz

 

Die Naturtherapie ist eine spezielle, naturbasierte Therapieform für Entwicklung, Gesundung und Heilung des Menschen. Naturtherapie unterscheidet sich von Natur-Wellness oder Natur-Spiritualität dadurch, dass sie einen Erfahrungsraum anbietet, der Veränderungen von Strukturen des Selbst und der Persönlichkeit ermöglicht. Der Prozess der Veränderung ist in der Naturtherapie als  E n t w i c k l u n g s p r o z e s s konzipiert.

 

Naturtherapie, wie sie an unserer Schule gelehrt wird, ist im Feld der humanistischen Psychotherapie angesiedelt, sie istp e r s o n a l e  T h e r a p i e  im Sinne eines existenzial-psychologischen Menschenbildes. Sie ist tiefenpsychologisch insoweit, als sie sich nicht nur mit den Problemen  beschäftigt, sondern vor allem mit den psycho-somatischen Strukturen, die diese immer wieder hervorbringen. Deshalb üben wir in den drei Grundkursen das therapeutische Arbeiten auf drei unterschiedlichen strukturellen Ebenen: Der Ebene des Selbst (I), der charakteristischen Persönlichkeit mit ihren Mustern (Schemata) (II) und der Archetypen (III).

 

Unser Grundverständnis von Therapie ist b e z i e h u n g s o r i e n t i e r t, das heisst: (Psycho)Therapie ist seinem Wesen nach ein sozialer, ein zwischenmenschlicher Prozess, in dem sich Menschen entwickeln und verändern können. Neue, vom Alltagszustand deutlich unterscheidbare Erfahrungen des Selbst im therapeutischen In-der-Natursein ermöglichen vor allem dann eine Veränderung, wenn sie in einen entwicklungsfördernden Beziehungskontext eingebunden sind. Die therapeutische Arbeit in der naturtherapeutischen Gruppe oder Einzelbeziehung ist deshalb für uns von entscheidender Bedeutung.

 

 

Lehr- und Lernmethode

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in diesem Kurs durch Vortrag und Diskussion, durch Selbsterfahrung, Übung, Falldokumentation und supervisorische Bearbeitung von Praxiserfahrungen. Wir  arbeiten personzentriert, d.h. die Entwicklung der Person steht auch im Mittelpunkt dieser Fortbildung. Der Beziehungsraum der Gruppe ist unser zentrales Lern- und Übungsfeld. Unsere gemeinsame Arbeit wird unterstützt durch eine Gruppenatmosphäre von Offenheit und Wahrhaftigkeit, durch Freiheit von Beurteilung und durch die persönliche Begegnung.

 

Das Lernen  in  der unmittelbaren persönlichen Erfahrung hat dabei einen hohen Stellenwert.  Dieses phänomenologische Lernen  wird möglich, wenn wir in der Lage sind, unser eigenes Erleben interessiert und möglichst wertungsfrei anzuschauen. Wir können dabei die zentrale therapeutische Fähigkeit entwickeln, in der persönlichen Präsenz stabil zu bleiben, auch wenn wir Ungewohntes oder Problematisches erleben. Dieser Kurs dient deshalb nicht nur der fachlichen Fortbildung, sondern auch der persönlichen Entwicklung der TeilnehmerInnen.

 

 

Kursziele

 

Dieser Ausbildungskurs ist berufsbegleitend und soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem selbständigen therapeutischen Arbeiten in und mit dem Erlebensraum Natur befähigen, insbes. zur fachkundigen Anwendung spezieller naturtherapeutischer Instrumente und Methoden.

 

In den drei Kursjahren lernen wir, das Erleben und Verhalten des Menschen auf unterschiedlichen strukturellen Ebenen und durch unterschiedliche psychologische 'Brillen' anzuschauen. Wir erarbeiten uns die dafür notwendigen Basiskonstrukte und theoretischen Grundlagen und eröffnen uns dadurch unterschiedliche Möglichkeiten therapeutischen Handelns.

 

 

Die thematischen Schwerpunkte der Kurse I - III

 

Kurs I  ( 2018) Selbstpsychologie

Vom Begriff der Seele zum psychologischen Begriff des Selbst. Grundlagen der Selbstpsychologie, ihre zentralen Theorien und Ansätze. Die Problematik des narzistischen Selbst. Therapeutische Stile und Interventionen in der Arbeit mit Selbstprozessen, insbes. das empathische Spiegeln.

Naturtherapie: Das Selbst-Natursein des Menschen. Das Selbst im Spiegel der Naturerfahrung. DerjahreszeitlicheKreis desSelbst. Die Suche nach meiner Berufung und Bestimmung.

 

Kurs II  (2019) Charakter- und Persönlichkeitspsychologie

Grundlagen der Charakter- u Persönlichkeitspsychologie, insbes. die Basisbegriffe: Muster, Charakter, Abwehr. Charaktertypologie und Charakterneurose. Therapeutische Stile und Interventionen in der Arbeit am u mit dem Charakter, insbes. die Arbeit im ‚Hier und Jetzt‘ und das therapeutische ‚Feedback’.

Naturtherapie: Spielraum Natur. Die ‚Freie Naturerfahrung’ in den verschiedenen Formen; Natur als offener Erfahrungsraum. ‚Weg’ und ‚Platz’ als Foki der Naturerfahrung

 

Kurs III  ( 2020) Archetypische Psychologie

Grundlagen und Basisbegriffe: Archetyp, Symbol, Mythos, Ritual. Schwerpunkte: Mutterarchetyp, Vaterarchetyp, verschiedene Naturarchetypen. Die archetypischen Bewegungen des Spiraltanzes und der Heldenreise. Die Arbeit am persönlichen Mythos. Die therapeutische Symbolarbeit.

Naturtherapie: Archetypische Erfahrungsaspekte im Naturerleben. Die Arbeit mit Natursymbolen und symbolischem Selbsterleben. Die rituelle Therapie der Vier Schilde. Erzähle dich selbst - die therapeutische Bedeutung des Erzählens; das naturtherapeutische ‚Council’.

 

 

Organisatorisches

 

Ablauf und Struktur des Kurses

‚Natur und Therapie’ ist der naturtherapeutische Grundkurs der Schule. Er ist zahlenmäßig begrenzt, um ein persönliches Arbeiten mit den TeilnehmerInnen zu ermöglichen. Er erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Anmeldungen beziehen sich jedoch jeweils nur auf ein Jahr, d.h. jeder Teilnehmer ist nur für ein Jahr gebunden und macht bei einem Ausscheiden für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer Platz. Ein Einstieg ist also jedes Jahr möglich, soweit bisherige Teilnehmer ausscheiden. Nach Ablauf der drei Jahre beginnt das Curriculum von vorne.

 

Teilnahmevoraussetzungen

Eine abgeschlossene Berufsausbildung im pädagogisch-therapeutischen Bereich ist hilfreich, aber keine unabdingbare Voraussetzung. Notwendig ist jedoch die ernsthafte Bereitschaft, sich auf eine intensive Selbsterfahrung einzulassen und an der eigenen Haltung zu arbeiten.

Für die Anmeldung ist eine kurze schriftliche Bewerbung notwendig, in der die derzeitige berufliche Tätigkeit, Lebenssituation und die Motive für die Teilnahme dargelegt sind, ferner die Teilnahme am Einführungskurs oder ein Vorgespräch mit einem Kursleiter.

 

Termine Grundkurs I  (2018):

 

Mo. 30.04.,14.30h – Fr, 4.05.,13.00h ;   Mo, 23.07., 14.30h – Fr, 27.07.,13.00h und

Mo, 1.10., 14.30h – Fr, 5.10.,13.00h

 

 

Ort: Die Kurse finden statt im Gruppenraum des Bildungshofs Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus im oberen Mindeltal, Landkreis Unterallgäu. Anschrift: 87782 Oberegg, Obere Hauptstr. 55, Tel. 08269 – 1047

 

Unterkunft, Verpflegung: Unterkunft im Bildungshof Preißinger möglich in einfachen Zwei-, Drei- und Mehrbettzimmern bzw. Zeltplatz mit Verpflegung oder in Einzelzimmern/Ferienwohnungen in der nahen Umgebung. Für die Buchung der Unterkunft auf dem Bildungshof Preißinger sind die TeilnehmerInnen selbst zuständig. (Mail: marlene.preissinger@web.de)

 

Anmeldung (schriftlich, mit dem Anmeldeformular):Schule für Naturtherapie,Postf. 1620, D-86819 Bad Wörishofen

 

Teilnahmegebühr:  920,- €

 

Kursleitung: Dr. Wernher P. Sachon mit Co-Leitg. Christine Maria Lallinger

Zurück

Anmeldeformular zum Download

application/pdf Anmeldeformular als PDF-Datei (50,5 KiB)