Natur als Übung

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Naturtherapeutische Übungspraxis:

N a t u r  a l s  Ü b u n g


Dasein, Leibsein, Selbstsein

 

 

Naturtherapie ist seinsorientierte Therapie. Denn ‚Natur’ ist kein Modus des Habens, sondern eine Art und Weise des Seins: Gegeben, nicht vom Menschen gemacht, aus sich selbst heraus wirkend, seinen Zweck in sich tragend. Seinsorientierte Therapie ist immer erlebensorientiert. Denn das, was wir selbst und andere sind, ist kein Etwas, das wir erfinden oder konstruieren, das wir ‚haben’ könnten. Am eigenen Sein und am Sein des Anderen können wir nur erlebend teilhaben, unmittelbar und leiblich. Jede Vorstellung, jedes Bild, jede Konstruktion ist eben nur dies, ist jedoch nie ‚ich selbst’ oder ‚der Andere selbst’ in seinem lebendigen Sein.

 

Die Basis, der Grund allen Selbstseins ist: Ich bin da. Da-sein ist für den Menschen heutzutage längst nicht mehr selbstverständlich. Viele sind weg, immer woanders als da, wo sie wirklich, d.h. leibhaftig sind. Wenn das Wegsein chronisch geworden ist, dann führt dies zu einem Zustand der Entfremdung, zu einer verflachenden Beziehung mit sich selbst und der Welt, zu reduzierter Bindung und Verbindlichkeit - zu einem reduzierten Menschsein.

 

Die Verwurzelung des Menschen im unmittelbaren, leiblichen Dasein hat in der Naturtherapie einen hohen Stellenwert: Dasein ist die Voraussetzung für ein Sein in und mit der Welt. Das Leibsein ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns lebendig zu fühlen, als ein Lebensprozess. Nur aus einem solchen im Leib geerdeten Selbstgefühl kann uns ein tragender innerer Boden erwachsen auf dem wir uns auch niederlassen können. Nur ein Selbst, das im Leibe verwurzelt ist, kann ein Gefühl von Dasein und Kontinuität auch in einer hyperbeschleunigten Welt entwickeln.

 

Um unmittelbares leibliches Dasein wiederzugewinnen bedarf es für die meisten Menschen einer Veränderung ihrer Haltung, ihrer Verfasstheit. Die Fehlhaltungen, mit denen wir es heute zu tun haben, manifestieren sich etwa in bodenlosen, ‚verkopften’ und unruhigen inneren Zuständen und in einem umfassenden Verlust der Spür- und Empfindungsfähigkeit, vor allem des Empfindens, selbst Leib, selbst Natur zu sein. Unseren eigenen Körper erfahren wir als ein Etwas, das wir haben wie einen fremden Gegenstand. Das Ich, das einen solchen Körper ‚hat’, wird als ein körperloses gedacht, ein mentales Konstrukt, ein beobachtender ‚Außenposten’, denaturiert und abgespalten vom unmittelbar gespürten Lebensgrund. Ein solches Ich ist ohne Verwurzelung im Dasein, es muss sich mühsam immer wieder neu erfinden und ist chronisch überfordert und anfällig für Neurotizismen jeglicher Art. Es dreht sich in immer höherem Tempo im Kreise seiner mentalen Konstrukte und brennt dabei aus.  

 

Übungspraxis in und mit der Natur meint vor allem: Dasein üben, Da-sein als der Leib, der ich selber bin. Sie zielt auf eine spezifische Verfasstheit, auch des Leibes: eine Verfasstheit der ‚geformten Durchlässigkeit’ (Dürckheim), ein Verfasstheit ‚der Flüssigkeit und des Werdens’ (C.G.Jung)

 

Wir erforschen und üben in dieser Weiterbildung Haltungen unmittelbaren Daseins im Kontext von Selbst- und Beziehungsprozessen. Jede Übungspraxis beginnt mit dem (Wieder)Erlernen von Unmittelbarkeit, Spürfähigkeit und der Fähigkeit, mit der Aufmerksamkeit im Da-sein zu verweilen. Das Üben einer Haltung der Achtsamkeit und Behutsamkeit nimmt einen besonders wichtigen Platz in den naturtherapeutischen Übungspraxen ein: Achtsamkeit entschleunigt, schützt uns vor chronischem Stress und bildet damit die Grundlage für vorbeugende und heilsame Reorganisationsprozesse des Selbst. 

 

Unser Üben findet vor allem in der Natur-draußen statt. Das unsere Sinne ansprechende Erlebensfeld Natur ist in ganz besonderer Weise dafür geeignet, uns wieder im Leib zu zentrieren, zu erden und durchlässig zu machen für Eindrücke, für Resonanz. Wir öffnen uns beim Üben für die Lebensprozesse in uns und um uns herum, für das Erleben der Natur und des Selbst, um daran teilzuhaben in seiner ganzen Breite, Tiefe und Differenziertheit.

 

Diese Tage sind ein deutliches Kontrastprogramm zum Alltag: Wir gestatten uns, einfach da zu sein, um in einem verlangsamten und fürsorglichen Modus unsere Teilhabe am Lebensprozess wieder deutlicher zu spüren und auszukosten. Der dialogisch-forschende Raum der Gruppe bietet uns die Möglichkeit, unser eigenes Erleben, uns selber zu erzählen, zu vertiefen, auszuloten und zu verstehen.

 

Dieser Kurs dient der Weiterbildung von Therapeuten, Pädagogen und anderen Helferberufen. Die KursteilnehmerInnen lernen anhand der persönlichen Erfahrungen in den Übungen und anhand der Referate der Kursleiter, die in den theoretischen Hintergrund der naturtherapeutischen Übungspraxis einführen.

 

T e r m i n  2 0 1 8  :

13.09., 14.30 Uhr- 16.09., 13.00h

 

 

Ort: Die Kurse finden statt im Bildungshof Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus im oberen Mindeltal, Landkreis Unterallgäu. Anschrift: 87782 Oberegg, Obere Hauptstr. 55, Tel. 08269 – 1047. marlene.preissinger@web.de

 

Unterkunft, Verpflegung: Unterkunft im Bildungshof Preißinger möglich in einfachen Zwei-, Drei- und Mehrbettzimmern bzw. Zeltplatz mit Verpflegung oder in Einzelzimmern/Ferienwohnungen in der nahen Umgebung. Unterlagen werden mit der Teilnahmebestätigung zugesandt. Für die Buchung der Unterkunft sind die TeilnehmerInnen selbst zuständig.

 

Anmeldung (nur mit dem ausgefüllten Anmeldeformular gültig):Schule für Naturtherapie,Postf. 1620, D-86819 Bad Wörishofen

 

Teilnahmegebühr:  380,- €

 

Kursleitung: Dr. Wernher P. Sachon

 

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Anmeldeformular zum Download

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